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Was läuft bei dem Vieh, dass Mitte Juni auf die Alp hinaufzog?

Berichtet und geschrieben von der Älplerin Dorothee in Fareina

Die Alpweide – der ideale Platz zum Gebären

Kühe, die im Sommer auf der Alp gebären, bekommen die der Hütte nahe gelegenen Weiden. Welche wird wohl dieses Jahr die erste sein, die ihr Neugeborenes lecken kann? Die Kuh spürt, wenn das Kälbli bereit ist, auf die Welt zu kommen. Ihr Euter spannt sich und die Beckenbänder am Schwanzansatz fallen ein. Die meisten Kühe mögen es, bis am Tag vor der Geburt gestriegelt zu werden. Doch dann suchen sie einen ungestörten, bequemen Platz für die Geburt ihres Kalbes.

Wunder Geburt – neues Leben

Die Älplerin beobachtet die Geburtsanzeichen. Eindeutig wird es, wenn die Kuh den Schwanz stets anhebt. Ruhig und aus geringer Distanz verfolgt die Älplerin den Geburtsprozess, um bei Bedarf als „Hebamme“ unterstützen zu können. Die Kuh legt sich bei den Wehen hin. Manche nehmen im Schmerz die Umgebung kaum mehr wahr, andere brummen vor Schmerzen, strecken alle Viere von sich und werfen beim Pressen den Kopf hin und her. Zuerst werden die Füsse des Kalbes sichtbar, dann die Zunge, der Kopf und „flutsch“ liegt das Kalb da! Die Mutterkuh steht auf, trocknet ihr Kalb mit der Zunge ab und erweckt es quasi mit Schlecken zum Leben.

Manche Kälbli stehen schon nach einer halben Stunde, andere purzeln immer wieder um. Die Älplerin freut sich, wenn die Kleinen selbst den Weg zu Mutter‘s Zitzen und der so gesunden und stärkenden „Biescht-Milch“ (Kolostrum) finden. Sie versorgt die Kuh mit Wasser und Salz, damit sie in den ersten Stunden ihr Kalb und den Geburtsplatz nicht verlassen muss.

Immer wieder eindrücklich ist, wie die Kuhmütter, die sich normalerweise vegetarisch ernähren, die mehrere Kilogramm schwere Nachgeburt (heisst ja auch Mutterkuchen) kauen und fressen, eine Fülle an wertvollen Nährstoffen. Nur ganz selten – zum Beispiel bei Schneefall – wird die Kuh für die Geburt in den Stall gebracht. Auf der Alpweide zu gebären ist so viel schöner!

Die Herde wächst

Die Geburten sind die Höhepunkte im Alpleben und oft auch mit Spannung verbunden: Geht alles gut? Kommt ein gesundes Kalb zur Welt? Sobald das Kleine steht und trinkt, folgt die Entspannung: Ist es ein Stierli oder ein Kuatschi? Welcher Name passt zu ihm? Dieses Jahr werden auf der Alp Fareina alle Neugeborenen mit Anfangsbuchstaben O… getauft. Olympia bis Omega, Othello, Ohio und Opera, es gibt unendlich viele Möglichkeiten!

12 helle Kälbli springen diesen Sommer um die Alphütte. Welche Freude, dass sie gesund sind! Welch grosse Dankbarkeit, wenn das Wolfsrudel weiterhin einen grossen Bogen um die Herde macht! Welch ein Vergnügen, den Kleinen bei den spielerischen Wettkämpfen und Luftsprüngen zuzuschauen! Wie wunderbar, wie ihre Mütter sie hegen und pflegen!

Nun beginnt für die Älplerin der Beziehungsaufbau. Sie verbringt Zeit in der Herde und nimmt Kontakt auf. So werden die Kälbli auf Fareina in ein paar Jahren selbst zutrauliche und fürsorgende Kuhmütter!

Vermerk vom Nolla-Team:
Ein grosses Dankeschön an Dorothee für diesen persönlichen, leidenschaftlichen und herzlichen Einblick!

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